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DM in Kassel - zwei Senioren erinnern sich


Ludwig Müller (Foto: Archiv HNA)

Im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften am 23./24. Juli im Kasseler Auestadion setzt hlv.de den mehrteiligen Rückblick in die Leichtathletik-Historie der Region Kassel fort mit großen Erfolgen und DM-Siegen von nordhessischen Athletinnen und Athleten. Der Blick zurück ist dieses Mal verbunden mit den Namen Günter Zeiß und Ludwig Müller. Wobei die Vorfreude auf die DM in Kassel durchaus unterschiedlich ausgeprägt ist. Der deutsche Dreisprungmeister Zeiß (1962/KSV Hessen Kassel) freut sich auf die DM („Das lasse ich mir doch nicht entgehen“). Müller, der als Langstreckler 1958 beim Länderkampf in Augsburg zwei unerwartete Siege über 5.000 und 10.000 Meter gegen die favorisierten russischen Läufer feierte, ist eher zwiespältig zumute. Geld und Doping hätten ihm das Vergnügen genommen, sagt der 79-Jährige.

Zeiß wird auf jeden Fall am 23. und 24. Juli im Kasseler Auestadion sein. „Deutsche Meisterschaften vor der Haustür, das lasse ich mir doch nicht entgehen“, sagt der gebürtige Kasseler. Zeiß, der wenige Tage vor den Titelkämpfen seinen 70. Geburtstag feiert, freut sich auf die gute Stimmung, die in der Regel bei solchen Meisterschaften herrscht und kann sich noch gut an seine Teilnahme bei Titelkämpfen erinnern. „1962 in Hamburg, da war die Stimmung auch klasse“, sagt Zeiß. Er hatte in der Hansestadt den Meistertitel im Trikot des KSV Hessen Kassel geholt und war dabei mit 15,78 Metern auch noch deutschen Rekord gesprungen. „Im Vorkampf kam ich überhaupt nicht zurecht“, erinnert sich Zeiß. „Ich hatte mit 15,06 Meter nur einen gültigen Versuch und wäre beinahe draußen gewesen.“ Seine beste Leistung erzielte Zeiß, der heute beim SSC Vellmar vor den Toren Kassels erfolgreich den Nachwuchs betreut, fünf Jahre später in Stuttgart mit 16,29 Meter. Sieger war damals Michael Sauer vom USC Mainz mit der neuen Rekordweite von 16,65 Meter.

Müller, den nicht nur Insider als „Held von Augsburg“ kennen, ist sich nicht sicher, ob er die Titelkämpfe im Auestadion besuchen wird. „Eigentlich macht mir die Leichtathletik, so wie sie heute ist, keinen Spaß mehr.“ Geld und Doping haben dem heute 79-Jährigen das Vergnügen genommen. „Früher war der Sport auch eine Grundlage für nette Freundschaften“, sagt der Langstreckler, der über den TV Wesel (1954 bis 1959) und den FSV Frankfurt (1960 bis 1961) zum KSV Hessen Kassel kam. „Da sind wir zu viert im kleinen Auto zu Meisterschaften gefahren und waren froh, dass wir die Spesen abrechnen konnten“, erzählt der gelernte Maurer, der später beim Bauamt der Stadt Kassel beschäftigt war. Paul Schmidt und Armin Hary waren übrigens zwei der Mitfahrer. Den Namen „Held von Augsburg“ hatte Müller nach seinen sensationellen Siegen über die starken russischen Läufer über 5.000 und 10.000 Meter beim Länderkampf im September 1958 in Augsburg bekommen. Bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom war Müller über 3.000 Meter Hindernis Sechster geworden. Während seiner aktiven Laufbahn und danach hatte Müller auch die Fußballer des KSV Hessen Kassel massiert. Für den Fußball gilt für Müller das gleiche wie für die Leichtathletik. „Das viele Geld, das da gezahlt wird, hat den Sport, den ich einmal kannte, so verändert, dass ich keinen Spaß mehr daran habe.“ Vielleicht überlegt es sich der frühere 5.000-Meter-Meister ja doch noch anders, wenn die Titelkämpfe am 23. und 24. Juli vor seiner Haustür stattfinden.

Peter Fritschler

DM Microsite auf leichtathletik.de

 


14/06/2011